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Beschreibung des historischen Kalibergwerkes
"Königshall-Hindenburg"






Exkurs zum Spülversatz in der Grube "Königshall-Hindenburg"

Für das Salzbergwerk Königshall-Hindenburg bestand die bergpolizeiliche Auflage,
die leergeförderten Abbauräume wieder aufzufüllen, das heißt zu "versetzen".

Als Füllmaterial im Salzbergbau dient normalerweise taubes Salzgestein oder der Rückstand aus gelösten oder getrennten Salzgesteinen nach der Fabrikation von KCl.

Dieser Versatz wird üblicherweise, trocken bzw. mit 7% Restfeuchte nach der Fabrikation,
über die Schwerkraft in die Abbauräume verstürzt oder mit Schrappern oder Großgeräten
eingebracht.

Wegen der besonderen tektonischen Verhältnisse waren auf Königshall-Hindenburg
die herkömmlichen Versatzmethoden nur unter großen Schwierigkeiten oder gar nicht
einzusetzen.

Aus der Not geboren, wurde hier der problematische Spülversatz von Fabrikrückstand
eingesetzt. Das heißt, der Fabrikrückstand wurde nicht voll auf die übertägige Halde
gefahren sondern auch am Schacht Hindenburg in einem Spülbunker gesammelt.
Der Spülbunker fasste rund 400 Tonnen = 270 Raumkubikmeter,
aus ihm wurde mindestens einmal täglich der gesamte Inhalt mittels 400 Tonnen
NaCl - und KCl - gesättigter Lauge über eine Rohrleitung in einen untertägigen Abbauraum
gespült. Ein Kubikmeter Lauge kostete 20 DM.
Aus zwei großen übertägigen Laugebehältern wurde die Lauge über zwei Spritzmonitore im
Spülbunker mit großem Druck so geschickt auf den Rückstandshaufen gerichtet, daß ein
Brei kontinuierlich in die Versatz-Falleitung des Schachtes Hindenburg floss. Riß der Strom
ab, kam es zu Rohrverstopfern im Schacht oder auf den Streckenabschnitten die dann manuell mühsam beseitigt werden mußten.

Im Schachtfüllort auf der 665 Meter Sohle und im Nachfolgebereich der 750 Meter Hauptsohle
des Blindschachtes hatte der Salzbrei in der Leitung genügend Druck um im Grubengebäude
auch Steigungen bis zum 600 Meter-Niveau zu überwinden um die leeren Abbaue von oben
her zu füllen.
Durch die Schwerkraft wurde im verspülten Abbau dem Rückstand wieder die wertvolle
Spüllauge bis auf 4% Restfeuchte entzogen, in Laugebecken aufgefangen und über Pumpen
in die übertägigen Laugebehälter hochgepumpt. Die Kolbenpumpen mit gewaltigen
Abmessungen hatten bei max. 900 Metern Pumphöhe eine theoretische Pumpleistung
von 4.600 Litern pro Minute = 276 Kubikmeter in der Stunde = 6.624 Kubikmeter am Tag.
Wegen laufender Wartungs- und Reparaturarbeiten betrug die praktische Pumpleistung
nur 4.000 Liter pro Minute (87%).

Für den laufenden Bergwerksbetrieb war der Spülversatzbetrieb eine dauernde Störstelle.
Die umlaufenden Laugen erzeugten Nässe in den Förderstrecken und behinderten oft
die gleisgebundene Streckenförderung. Undichte Mauerungen am Abbaueingang führten
oft zu Überschwemmungen. Die feuchte, warme und nicht wohlriechende Abluft des
Spülversatzes war für einen Teil der Belegschaft unangenehm. Nässe und Elektrizität
vertrugen sich nicht immer gut.
Die Spülmannschaft war leidgeprüft, aber mit hohem Sachverstand, Können und Ausdauer
so ausgezeichnet, daß diese schwierige Sonderaufgabe von ihr sehr gut gemeistert wurde. Sie genoss eine hohe Anerkennung in der Grubenbelegschaft.





 

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